Es war ein warmer Sommertag, ich saß mit meiner Freundin Mona am Waldweiher und sah den Enten beim Schwimmen zu. Morgen würden wir schon wieder weiterziehen, obwohl ich das kleine Dorf, Mona, den Waldweiher und alles andere hier schon wirklich in mein Herz geschlossen habe. Aber so ist das, wenn man im Zirkus lebt. Meine ganze Familie arbeitet im Zirkus. Selbst ich muss auch schon manchmal einspringen, wenn sich jemand verletzt hat. Heute Abend haben wir noch eine letzte Vorstellung, dann müssen wir weiter nach Aschaffenburg in Bayern. Leider. Ich wäre gerne noch länger geblieben. Die Sonne geht langsam unter. Gleich beginnt unsere Vorstellung, bis dahin muss ich zurück sein. Also sage ich Mona, dass ich jetzt gehen muss und mache mich auf den Weg zum Zirkus. Dort herrscht großes Durcheinander. Ich wundere mich und frage meinen Großvater was los sei. Er antwortete mir, dass Nadine bei der Probe vom Seil gefallen ist und jetzt nicht mehr auftreten kann. Jetzt brauchen wir dringend eine Ersatznummer… Das heißt wohl, dass ich Luna und mich bereit machen muss. Luna ist mein geliebter Labrador, mit dem ich manchmal für Nummern die ausfallen, einspringen muss. Luna kann sehr gut springen, hat keine Angst vor Feuer und ist super intelligent. Da kommt auch schon meine Mutter, sie fragt mich ob wir für Nadines Nummer einspringen können und ich antworte, dass das okay für mich sei. Also machen wir uns jetzt fertig für unseren Auftritt. Wir betreten die Manege, es ist sehr voll. Alle Blicke sind auf uns gerichtet! Ich bin nicht aufgeregt. Dafür stand ich schon viel zu oft hier. Luna läuft los und springt durch einen brennenden Reifen, dann kommt sie wieder zu mir zurück. Alle applaudieren. Jetzt macht Luna eine Rolle über die Seite und läuft dann durch meine Beine. Dann klatsche ich in die Hände und Luna rennt weg, so schnell sie kann. Ich hocke mich hin. Luna kommt wieder und springt über mich drüber. Auch für sie ist der Auftritt nichts Besonderes mehr. Die Leute klatschen. Als nächstes gibt Luna mir ihre beiden Pfoten und stellt sich auf die Hinterbeine. So drehen wir uns einmal im Kreis. Jetzt setzt sich Luna auf ein kleines Podest. Sie bellt zweimal, danach springt sie wieder von dem Podest runter und legt sich auf den Bauch, ich verbeuge mich und alle jubeln und klatschen. Gemeinsam verlassen wir das Zelt. Ich ziehe mich um und wasche mir die Schminke aus dem Gesicht. Ich nehme mein Mathebuch in die Hand und mache meine restlichen Hausaufgaben, denn obwohl ich ein sehr außergewöhnliches Leben habe, muss ich trotzdem in die Schule. Entweder werde ich von meinem Großvater unterrichtet oder ich gehe in die örtliche Schule, wenn wir etwas länger am selben Ort bleiben. Ich höre von draußen viele Stimmen. Die Aufführung muss zu Ende sein. Sobald ich keine Menschen mehr hören kann, verlasse ich meinen Wagen. Ich sehe niemanden. Wahrscheinlich sind schon alle im Essenszelt zum Abendessen. Schnell laufe ich auch dorthin. Es gibt Reis mit Erbsen und Schnitzel. Alle sind gut gelaunt, also ist die Aufführung wohl gut gegangen. Nach dem Essen gehe ich wieder zurück in meinen Wagen. Ich nehme noch mal mein Handy raus. Mona hat mir geschrieben:
Mona: Treffen wir uns Morgen nochmal am Waldweiher???
Ich: Ja können wir machen… Wie viel Uhr
denn?? Wir müssen um 10:00h los ( :
Mona : Dann treffen wir uns doch am besten so zwischen
9:00 h und 10:00h, früher kann ich leider nicht…
Ich: OK! Passt. Dann um 9: 15h ??
Mona: oki!!!
Ich lege das Handy weg und kuschle mich unter die Bettdecke. Schnell schlafe ich ein, wache aber auch bald wieder auf, weil ich merke, dass Luna sich neben mich kuschelt. Ich streichle ihr über den Kopf und schlafe wieder ein.
Mein Wecker klingelt, ich mache ihn aus und schlafe weiter. Eine halbe Stunde später merke etwas Feuchtes in meinem Gesicht. Ich öffne die Augen und schaue in Lunas glänzende Augen. Sie hat Hunger. Verschlafen steige ich aus meinem Bett, gehe zum Schrank und hole eine Dose Hundefutter heraus. Ich leere die ganze Dose in ihrem Napf. Sie beginnt sofort zu fressen. Nach fünf Minuten ist der Napf leer und Luna schiebt ihn mit der Nase zu mir. Lachend nehme ich ihn entgegen und wasche ihn aus. Dann ziehe ich mir eine Jeans und einen Kapuzenpullover an und mache mich gemeinsam mit Luna auf den Weg zum Essenszelt. Ich wünsche meiner Mutter und meinem Vater einen guten Morgen und nehme mir einen Pfannkuchen, den unsere freundliche Köchin Karina für uns gebacken hat. Meine Mutter gibt mir die Marmelade, mit der ich meinen Pfannkuchen dick bestreiche. Sie fragt mich: „Und Maja wie hat dir euer Auftritt gestern gefallen?“ Ich antworte ihr: „Es war ganz gut.“ Dann schiebe ich Luna heimlich ein Stück Schinken zu. Leider kaut sie so laut, dass meine Mutter es bemerkt. „ Maja?! Du weißt doch genau, das dein Hund nichts vom Tisch haben darf!! Sonst bedient sie sich irgendwann noch selbst“, schimpft sie. In dem Moment kommt mein Vater An den Tisch. Er nimmt sich einen Pfannkuchen und macht sich Puderzucker drauf. Dann fragt er warum wir uns streiten. Ich erwidere: „Wir streiten uns nicht, Mama schimpft nur, weil ich Luna ein Ministück Schinken abgegeben habe.“ Meine Mutter wechselt das Thema: „Hast du schon alle deine Sachen für die Fahrt vorbereitet, Maja?“ Ich habe noch gar nichts gemacht, aber damit sie mich nicht weiter nervt sage ich: „Klar, Mama“ . Nachdem ich vier Pfannkuchen gegessen habe, räume ich mein Geschirr in die Küche und bedanke mich bei Karina für das leckere Frühstück. Dann folgt mir Luna zurück zu meinem Wagon. Jetzt muss ich mich wirklich beeilen! In einer Stunde zieht unser Zirkus los nach Aschaffenburg. Ich packe schnell alle Sachen so, dass wenn die Wagons losfahren nichts runter fällt. Dann gehe ich mit Luna aus dem Wagen und laufe los. Zum Waldweiher. Dort wartet Mona schon auf mich. Ich setze mich neben sie. Sie sagt lächelnd: „Du bist genau eine Minute und vierunddreißig Sekunden zu spät.“ Ich lache. „Schade, dass ihr schon fahrt“,sagt Mona, „ich werde dich vermissen…“ „Ich dich auch! Aber wir bleiben in Kontakt! Wir können uns schreiben, telefonieren und wenn wir nochmal hier in der Nähe eine Vorstellung haben, sage ich dir auf jeden Fall Bescheid“ ,erwidere ich. Dann schaue ich auf die kleine silberne Uhr an meinem Handgelenk. Es ist 9:50uhr. „Mona, ich muss los!“, sage ich schnell. Wir umarmen uns ein letztes Mal und ich laufe zurück zu unserem Zelt. Luna rennt neben mir her, sie bellt erfreut, als wir das bereits abgebaute Showzelt und die aneinander geketteten Wagons sehen. Ich streichel Luna über den Kopf. Meine Mutter kommt auf mich zugelaufen: „Wo warst du so lange? Ich habe mir Sorgen gemacht!“ „Ich hab mich nur schnell von Mona verabschiedet“, erwidere ich. „Okay, aber jetzt los, wir wollen fahren“, schimpft meine Mutter.
Ich setze mich in meinen Wagon. Die Wagons fahren los. Ich sehe die Landschaft langsam an mir vorbeiziehen. Von allen Orten, wo wir bisher waren, fand ich dieses Dorf am schönsten. Ich schlafe langsam ein. Ich werde den Ort, in dem wir drei Monate lang geblieben sind wirklich vermissen. Als wir in Aschaffenburg ankommen, wache ich auf. Wir fahren auf einen großen freien Platz, wo wir alle aussteigen. Luna springt hinter mir aus dem Wagon. Ich streichle ihr über den Kopf und sie folgt mir über das Gelände, wo ich nach einem schönen Platz für meinen Wagon Ausschau halte. Ich suche mir eine Stelle am Rand der Fläche aus, die von Bäumen umgeben ist. Mein Vater zieht meinen Wagon genau dorthin. Ich bedanke mich und frage: „Papa, darf ich mit Luna ein bisschen die Gegend hier erkunden?“ ,,Kannst du machen“, antwortet Papa, „aber bitte sei vor 19:00 Uhr zurück, dann gibt es Abendessen.“ Ich gehe mit Luna zusammen zu meinem Wagon und hole nur zur Sicherheit ihre Leine. Sie läuft eigentlich nicht weg, aber manchmal ist es besser, wenn man sie anleint, vor allem weil sie relativ groß ist und sich manche Leute vor ihr fürchten. Dann gehen wir los. Luna genießt es richtig, sich nach der langen Fahrt auszutoben. Sie rennt über eine große Wiese. Dann hat sie plötzlich etwas im Maul. Sie kommt zu mir und legt es mir vorsichtig vor die Füße. Danach bellt sie laut. Ich hebe es langsam auf. Es ist ein Bündel aus Stoff. Ich öffne es. Da drin ist ein Tier! Es sieht nach einem ganz kleinen Hundewelpen aus. Er bewegt sich nicht. Ich streiche vorsichtig über seinen kleinen Körper. Er ist ganz kalt. Ist er tot?
Kapitel 2
„ Der ist Tod.“ , murmelte mein Großvater, nachdem ich ihm den Welpen gezeigt hatte. Ich war nicht sehr verwundert , denn man sah es dem Welpen an. Auf dem Weg hierher hatte er sich kein einziges mal bewegt. Aber er hatte keine Kratzer, das einzige, was mir an im merkwürdig vorkam war das er weißen Schaum vor dem Mund hatte. Mein Handy klingelt. Es ist Mona. Gedankenverloren nehme ich den Anruf an: „ Hi Maya.“ „ Hi Mona, wie geht es dir?“, frage ich sie. „ Mir geht es super , ich wollte dich nur fragen wie es in Aschaffenburg so ist.“ erwidert sie, mit fröhlicher Stimme. Ich sage zögernd: „ Eigentlich ist es hier ganz schön.“ Wahrscheinlich hat sie den zweifelnden Unterton in meiner Stimme gehört, zumindest fragte sie : „ Wieso Eigentlich?“ „ Naja, ich war heute mit Luna draußen und sie hat einen toten Hundewelpen auf der Wiese gefunden.“ , antworte ich ihr. Sie fragt flüsternd: „ Oh, wurde er von einem anderen Tier getötet?“
Ida, 7C